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Unsere Prinzipien / Leitbild

Entstehung / Historisches

Das Haus der Frau wurde 1984 durch eine Initiative der Katholischen Frauenbewegung der Diözese St. Pölten gegründet.

1986 musste das Haus das erste Mal umgebaut und erweitert wird.

1997 wurde das zweite Mal umgebaut und erweitert.  Derzeit haben wir Platz für 36 Personen.

In den 70er- Jahren begann die Frauenbewegung Gewalt an Frauen in der Familie zu diskutieren und brachte dieses Thema an die Öffentlichkeit. Handlungen und Strukturen, die vorher als „normal“ galten, wurden als Gewalt erkannt, aufgezeigt und nicht mehr so hingenommen. Die Familie galt bis dahin als ein von der Öffentlichkeit abgeschirmter Bereich, es war für betroffene Frauen fast unmöglich ihre Erfahrungen auszusprechen und an eine Veränderung ihrer Situation zu denken.

Diese Frauen mussten beim Weggehen aus der Beziehung ermutigt und gleichzeitig geschützt werden, aus diesem akuten Schutzbedarf entwickelten sich Frauenhäuser.

In den letzten 30 Jahren ist ein Bewusstseinswandel vor sich gegangen. Gewalt an Frauen als Problem, hat eine deutliche gesellschaftliche Anerkennung erfahren. Es wird nicht mehr nur als individuelles, sondern als gesamtgesellschaftliches Problem gesehen. Anstatt als privates Unglück, das einer Frau widerfährt, wird Gewalt als grundlegende Menschenrechtsverletzung, als Machtausübung im Privaten definiert. Dieses Umdenken schließt auch mit ein, dass durch konsequentes Vorgehen der Exekutive und der Justiz weiter Gewalt verhindert werden kann. Der Wille unserer Gesellschaft Gewalt gegen Frauen nicht mehr zu tolerieren, wird durch die seit 1997 wirksamen Gewaltschutzgesetze zum Ausdruck gebracht.

Nicht die Opfer, sondern die Täter sollen die Konsequenzen tragen!

 

Träger des Vereins“ Haus der Frau“

Finanziert wird das Haus zum größten Teil durch die Niederösterreichische Landesregierung, durch Subventionen der Diözese St. Pölten, der Kath. Frauenbewegung, der Stadt St. Pölten, Licht ins Dunkel, durch viele Geld- und Sachspenden verschiedener Organisationen, Firmen, Gruppen und vieler Einzelpersonen.

 

Was ist Gewalt

„Gewalt gegen Frauen ist die Manifestation der historisch gewachsenen Machtungleichheit zwischen Männern und Frauen, die zur Dominanz der Männer über Frauen,  zur Diskriminierung und Behinderung von Frauen geführt hat. Gewalt ist einer der entscheidenden Mechanismen, durch den Frauen in einer untergeordneten Position gehalten werden.“ ( aus der Deklaration der Vereinten Nationen zur  Eliminierung von Gewalt an Frauen)

Formen von Gewalt gegen Frauen:

  • Physische Gewalt wie Schlagen, Treten, Stoßen, Zwicken, an den Haaren ziehen, mit einem Gegenstand schlagen, Würgen, Verbrennen, mit einer Waffe bedrohen oder verletzen. Im weiteren Sinne gehört auch hierher das  Zerstören bzw. Beschädigen von persönlichen Sachen, der Wohnungseinrichtung oder auch das Quälen von Haustieren
  • Psychische Gewalt
    Drohungen und Nötigungen sind häufig Formen von psychischer Gewalt. Auch die Androhung von Misshandlungen reicht oft schon aus eine Person in Angst und Schrecken zu versetzen.
    Beschimpfen, Abwerten und Diffamieren dienen der Zerstörung des Selbstwertgefühls der Opfer und ihrer geistigen Gesundheit. Mit der Zeit wird der Glaube der Frau an ihren Wert, ihre Identität und ihr Empfinden, Rechte oder eine Wahl zu haben, zerstört.Auch das Lächerlichmachen  oder das Beleidigen in der Öffentlichkeit zählt zu psychischer Gewalt.
  • Ökonomische  Gewalt
    bezieht sich auf die ungleiche Verfügung über finanzielle Mittel. Der Partner nimmt Ihnen Geld oder Wertsachen weg, er bestimmt wie viel Geld Sie ausgeben dürfen, er  bestimmt was eingekauft werden darf, er verbietet Ihnen ein eigenes Konto, er lässt Sie nicht arbeiten gehen, damit Sie kein eigenes Geld haben,…
  • Soziale Gewalt
    Isolation
    .. ist eine häufige Strategie um die Opfer zu kontrollieren und zu beherrschen. Hier handelt es sich um das Einsperren ins Haus, keine Kontakte zu Familie, Freunden und Bekannten haben zu dürfen, oder Frauen werden in ihrer Mobilität beschränkt, es wird die Benützung eines Fahrzeuges nicht ermöglicht etc.
  • Sexuelle bzw. sexualisierte Gewalt
    umfasst alle sexuellen Handlungen, die der Frau gegen ihren Willen aufgedrängt oder aufgezwungen wird, wie z. B. Vergewaltigung. Sexuelle Übergriffe sind Unrecht und selbstverständlich auch in einer Ehe strafbar!

Unsere Prinzipien

  • Freiwilligkeit
    Jede Frau entscheidet selbst ob sie in ein Frauenhaus geht.
  • Anonymität und Vertraulichkeit
    Die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Ohne Zustimmung der betroffenen Frau werden grundsätzlich keine Informationen weiter gegeben. Die Frauen bestimmen selbst, was andere über sie erfahren dürfen.
  • unbürokratische Soforthilfe
    Eine unbürokratische sofortige Aufnahme ist rund um die Uhr möglich, auch am Wochenende. Das Frauenhaus bietet Schutz und Sicherheit vor nahestehenden gewalttätigen Personen, die Frauen bedrohen bzw. von denen Frauen Gewalt erfahren. Das Frauenhaus ist offen für Frauen und deren Kinder, unabhängig von ihrer Nationalität, Religionszugehörigkeit, sexuellen Orientierung und ihrem Einkommen. Zu den üblichen Bürozeiten können sich Frauen auch  Auskünfte zu rechtlichen und sozialen Fragen von qualifizierten Sozialarbeiterinnen holen.
  • Parteilichkeit
    Gewalt gegen Frauen basiert auf einem Machtungleichgewicht zwischen Männern und Frauen. Wir stellen uns daher auf die Seite der Frau, unterstützen sie in ihren unterschiedlichen Anliegen, Fragen und Problemstellungen, wir entwickeln gemeinsam mit ihnen Lösungen bzw. Verbesserungen  ihrer Lebenssituation.
  • Frauen unterstützen Frauen
    In unserer Einrichtung werden betroffene Frauen von fachlich qualifizierten Frauen in ihrem Entscheidungs- bzw. Selbstfindungsprozess unterstützt, beraten und begleitet.
  • Hilfe zur Selbsthilfe
    Das Frauenhaus bietet den Frauen die Möglichkeit in Ruhe und ohne Druck überlegen zu können, was weiter geschehen soll. Die betroffenen Frauen entscheiden selbst, ob sie sich vom gewalttätigen Mann trennen oder nicht und wie sie in Zukunft weiterleben möchte.  Wir unterstützen sie dabei, eine vom Lebenspartner unabhängige selbstbestimmte Existenz aufzubauen, ohne ihnen die Eigenverantwortung abzunehmen.
  • Mitarbeiterinnen
    Unser Team besteht aus der Leiterin, einer Assistentin der Leitung, Sozialarbeiterinnen, einer Sozialpädagogin und geringfügigen Mitarbeiterinnen. Wir nehmen bei Bedarf  die Dienste von qualifizierten Dolmetscherinnen in Anspruch.
© Frauenhaus St.Pölten
Spendennummer:
95.000
Bankleitzahl:
32585